Stupid me!
Vielleicht ist es meine familiere Situation die an meiner Perfektionssucht Schuld ist. Vielleicht ist genau das der Punkt. Wenn ich mich so zurückerinnere, war ich denn jemals so richtig zufrieden? Spürte ich nicht schon als Kleinkind diese ständige Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach etwas das ich gar nicht kannte, noch immer nicht kannte. Auch wenn es nun schon gewisse Umrisse zeigt. Ich erinnere mich daran. Ich kann mich kaum an meine ersten Lebensjahre erinnern. Das ist ja ganz natürlich. Aber so ab dem Alter von, ich glaube, drei Jahren, später kann es nicht sein. Da hat sich doch etweas eingeprägt. Neben dieser Erinnerung wie ich mit meinem Großvater auf einem Gehweg unterwegs bin.. dieses Bild hat sich in mein Gedächtnis gebrannt, ohne das ich genau weiß wie es um mich herum aussieht, ohne die Situation zu kennen, ohne irgendetwas zu wissen. Ich weiß nur, dass er und ich mit meinem Kinderwagen neben uns auf einem Gehweg sind. Ich laufe ein kurzes Stück voraus, eine kleine Erhebung runter. Dann laufe ich wieder zurück. Ich fühle mich wohl. Das ist alles was ich weiß. Aber es ist eine starke Erinnerung. Neben dieser Erinnerung existiert noch eine Erinnerung an das Gefühl der Unzufriedenheit, vor allem der Sehnsucht. Keine Situationen nichts. Nur das Gefühl, das immer schon da war, aber erst seit einem einscheidenden Ereignis. Das wird mir jetzt erst klar. Mit diesem Gefühl verbinde ich immer schon das Bild von mir als kleinen vierjährigen Jungen wie ich auf der Eckbank am Küchentisch sitze und gedankenversunken, melancholisch, mit hängendem Kopf mein Puzzle spiele. Der Umzug. Vielleicht ist das alles wirklich der Grund für das wie ich heute bin. Der Umzug war der Startschuss. Ich fühle mich nicht in der Lage nun alles aufzuschreiben. Ich weiß gar nicht ob es überhaupt jemals möglich sein wird. Der ganze Umfang, alles was damit verbunden ist. Vielleicht irgendwann. Ich glaube, bis jetzt verstehe ich noch gar nicht alles. Nur einem bin ich mir nun bewusst, seine Umwelt hat Einfluss darauf wie man sich entwickelt. Ich habe mich immer gegen diese These gesträubt. Freiheit als oberste Priorität. Ich als Individuum. Ich habe eine eigene Meinung. Doch war das immer so? Selbstverständlich nicht. Aber es ist möglich daraus auszubrechen. Weil ich mich diesem Einfluss entziehen kann, nicht räumlich, aber geistig. Ich weiß wo das "Problem" liegt. Und welcher Gedanke kommt nun in mir auf? "Ich werde alles besser machen." Doch, wie viele Menschen, vielleicht, sicher sogar, meine Eltern auch, hatten diesen Gedanken schon? Eines ist ganz wichtig: Mein Leben gehört mir. Und ich kann es steuern, bis zu einem gewissen Punkt zumindest.
Der Anlass weshalb das gerade so in meinem Kopf herumspuckt ist der heutige Tag. Wir waren auf so einem Volksfest mit 'ner Ausstellung - die ich wirklich schrecklich - aber mein Vater toll fand. Ich habe mir stundenlang dieses Zeug angesehen. Und dann danach war es wieder mal ein Kampf, das zu bekommen was ich will. Ich wollte nur in ein Geschäft meinen Teppich und Wandfarbe - von meinem selbstverdienten Geld - kaufen. Mein Vater war dagegen. Wieder einmal. Ich verstehe nicht wo da das Problem liegt, und noch weniger verstehe ich wieso man deshalb streiten kann. Ich finde es schade dass ich immer "laut" werden muss um das zu bekommen was ich will. Ich bekomme eh nicht was ich will. Ich will glücklich sein. Doch wenn ich das schon nicht haben kann, dann will ich wenigstens einen Ersatz. Und heute war das eben der Teppich und die Wandfarbe. Ich weiß, dass ist erbärmlich. Ich bin froh, dass ich nun wenigstens verstehe woher das alles kommt. Ich will so nicht sein. Ich meine, vor allem wegen meiner Perfektionssucht und allem was damit verbunden ist. Das ist zu viel. Ich habe gerade den Film "Allein unter Töchtern" gesehen. Darin lautet ein Zitat: "Ich hatte ein Ziel. Ich habe alles getan um es zu erreichen. Als ich es dann schaffte, fühlte es sich gar nicht gut an." Das passt ganz gut, finde ich. Meine Erfolge brachten nicht dieses Glück das ich suche. Nie. Noch nie.
Ich muss mich von so vielen Gewohnheiten verabschieden. Ich muss einfach. Etwas muss ich ändern. So geht es nicht weiter. Ich laufe gegen die Wand. Und je öfter ich gegen eine Wand stöße desto härter wird sie, irgendwann geht es nicht mehr weiter. Und dann, was ist dann? Vor kurzem habe ich in einem Blog etwas dazu gelesen, zumindest so ähnlich. Ich erinnere mich noch haargenau an den Wortlaut, der war "Dein ganzes Leben steckst du in dem Labyrinth fest und denkst daran, wie du ihm eines Tages entfliehst, und wie geil dann alles wird, und die Vorstellung von dieser Zukunft hält dich am Laufen, aber am Ende tust du es nie. Du hast die Zukunft einfach nur benutzt, um aus der Gegenwart zu fliehen." Ich weiß nicht, wie oft ich diese Sätze gelesen habe, sehr, sehr oft. Ich weiß nur leider nicht mehr aus welchem Blog sie stammen.

Gerade habe ich einen sehr schönen Dialog über Herz und Verstand und den Endsieg des Herzens. Da kommt mir der Gedanke, selbst wenn der Verstand siegt, vielleicht siegt das Herz dann doch. Denn wenn der Verstand jemals gegen das Herz kämpfen musste, dann gab es einen Grund. Das Herz kämpft nicht grundlos. Es bleibt eine Leere, eine Leere, eine Sehnsucht die der Verstand nicht begreifen kann. Hat das Herz nicht doch gewonnen? Nein, wohl nicht. Aber "Rache ist süß". Das Herz hat die Macht über den Verstand. Das Gefühl, die Sehnsucht bleibt.

Ich habe gestern das Buch "der Vorleser" ausgelesen. Dieses Buch ... ich kann so viele Parallelen zu mir selbst herstellen. Im Moment habe ich vor allem eine im Kopf. Die Hauptperson gibt sich die Schuld an etwas und eigentlich ist das falsch. Denn er war nicht schuld. Er hat nichts getan. Er gibt sich die Schuld daran, "sie" enttäuscht zu haben, sie gehen lassen zu haben. Doch er hat sie nicht gehen lassen, sie hat nichts gesagt, sie ist ohne ein Wort verschwunden - einfach so. Er macht sich noch nach Jahrzehnten Vorwürfe. Dabei muss ich an "unseren" letzten Abend denken. Ich mache mir Vorwürfe zu wenige Gefühle gezeigt zu haben. Verschwommene Worte, die nicht an mein Ohr dringen konnten. Seinerseits und meinerseits. Eine Umarmung, die sich nicht richtig anfühlte. Dabei hätte ich ihn am liebsten gedrückt, umklammert, nie wieder losgelassen. Ich wollte ihn nicht gehen lassen. Ich wollte ihn. Ihn. Ihn. Ich wollte ihn in meine Arme schließen, in mein Herz. Nicht einmal in die Augen konnten wir uns noch sehen, nicht mal den Bruchteil einer Sekunde. Kaum war ich aus der Tür rannen wir die Tränen übers Gesicht. Es war dunkel, der Schnee knirschte unter meinen Füßen. Das Licht der Straßenlampen hatte ich bald hinter mir gelassen. Wie lange meine Lippen sich noch nach den seinen verzehrten... Es hätte wohl keinen Unterschied gemacht, wenn ich mich an diesem Abend anders verhalten hätte, aber .. ich weiß es nicht.
1.9.09 23:47
 


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